Gruenderin_Sozialunternehmen

Ich bin Anette Zanker-Belz, die Gründerin von „Lebenslang lebendig Mensch“.

Gemeinsam mit meinem Team trete ich dafür ein, dass jeder Mensch lebenslangen Zugang zu Kultur- und Bildungsangeboten erhält und durch kulturelle Teilhabe seine eigenen Potenziale entfalten, lernen und wachsen kann – ein Leben lang. 

WIE ALLES ANFING…

MEINE BEGEGNUNG MIT DER EINSAMKEIT

alte_Hand

Ich weiß noch genau, wie ich als „kleine Anette“ ein älteres Mitglied aus unserer Kirchengemeinde besuchen ging– unsere Rosi.

Sie schaffte es nicht mehr, zu den Gottesdiensten zu kommen.

Also fuhren einige Gemeindemitglieder zu ihr nach Hause. Dort lag Rosi in ihrem Bett und sah sehr schwach aus. Was macht diese Frau nur den ganzen Tag im Bett? Ist das nicht schrecklich langweilig?“, fragte ich mich als Kind.

Damals wusste ich noch nicht, dass es meine erste Begegnung mit der Einsamkeit im Alter war. Doch als wir alle rund um Rosis Bett standen und Kirchenlieder sangen, wiegte Rosi ihren Kopf im Takt und blühte regelrecht auf.

„Ach, war das schön! Kommt bald wieder!“, rief sie zum Abschied.

Generationen lernen

IM ALTER AUF DEM ABSTELLGLEIS?

FRÜHER LEBTEN DIE GENERATIONEN UNTER EINEM DACH

Familie_frueher

Nach der Schule studierte ich Pädagogik und arbeitete als Musikpädagogin mit Kindern und Jugendlichen. Und ich entwickelte zahlreiche Generationenprojekten, die Jung und Alt im gemeinsamen Musizieren zusammenbrachten. Doch vor allem in meiner Arbeit als Geragogin und Musikgeragogin, bei zahlreichen Besuchen bei den Senioren erlebte ich, wie sehr sich unsere Gesellschaft verändert hat.

Früher lebten drei Generationen unter einem Dach. Heute leben viele Senioren allein. Sie verschwinden oft ganz aus Chören, aus der Kirchengemeinde und aus den Vereinen, wenn sie ihr Zuhause oder das Heim nicht mehr verlassen können. Die Einsamkeit hält Einzug in ihr Leben und oft bekommt ihr Alltag dann eine große Dunkelheit und Schwere, weil sie nicht mehr am gesellschaftlichen Leben teilnehmen können. 

Die Altersdepression und Demenzerkrankungen sind zum Problem unserer Zeit geworden.

Einsamkeit_Senioren

WIE MUSIK DIE GENERATIONEN VEREINT

Singen_im_Alter

Ich beobachtete wie allein stehende Senioren zum Beispiel in den Familien- und Kinderkonzerten ihr Bedürfnis nach Gemeinschaft und Lebensfreude, aber auch nach neuen Impulsen stillen konnten. Sie erfreuten sich an Ritualen und Liedern, die sie an ihre Kindheit erinnerten und schöpften neue Kräfte. Und sie machten auch neue Erfahrungen, die sie dazu anregten sich für Neues zu öffnen und aktiv zu bleiben. 

Auf der anderen Seite begannen die Kinderaugen und auch die Augen derer Eltern zu leuchten, wenn die Senioren von ihren Erlebnissen erzählten oder von ihren kulturellen „Schätzen“ und den alten Liedern.

Mir wurde bewusst, dass die Musik eine neue Brücke zwischen den Generationen schlagen konnte. Die Senioren waren beim gemeinsamen Musiziererlebnis weniger einsam und selbst mit gesundheitlichen Einschränkungen erschienen sie glücklicher.

UNSERE VISION

Dazugehören, lernen und gestalten – ein Leben lang!

Musik Senioren zuhause

Ich fand Mitstreiter und so wurde aus dem ersten Projekt „Lebenslang Musik“ heraus unsere Initiative „Lebenslang lebendig Mensch“ geboren.

Mit der neuen, einzigartigen Ausbildung zum Lebenslang-Begleiter machen wir gesellschaftliche Teilhabe und ein glückliches Leben im Alter möglich. Zudem knüpfen wir neue Netzwerke und bringen die Menschen über die Generationen hinweg mit unseren Kulturprojekten wieder zusammen.

Damit wollen wir auch eine demenzfreundliche Gesellschaft fördern und die Angehörigen und Pflegenden von an Demenz erkrankten Senioren entlasten. Mit Musizierangeboten für Pflegende wollen wir außerdem auch besonders auf ihre Situation eingehen und ihre Resilienz stärken. 

Ehrenamtliche und Alltagsbegleiter, die zu Lebenslang-Begleitern ausgebildet werden, teilen ihre kulturelle Leidenschaft, erfüllen eine sinnstiftende Aufgabe, kommen ins Gespräch und profitieren von der Fülle an Erfahrungen der Senioren. Betreuungskräfte, die ebenfalls zu Lebenslang-Begleitern werden, sind in ihrer Aufgabe gestärkt, lernen selbst Neues dazu und haben anhaltende Freude an ihrer beruflichen Tätigkeit.

Die ältere Generation erhält Raum zur Entfaltung, erlebt sich selbstwirksam. Durch Musik und Kultur und in sinnstiftenden Begegnungen können sie lebenslang lernen – auch im eigenen Zuhause oder im Pflegeheim.

Wenn sich die Generationen wieder auf Augenhöhe begegnen, werden wir alle den Blick auf das Alter verändern. Für diese Haltungsänderung stehen wir mit der  Lebenslang-lebendig-Mensch-Bewegung.

Wir möchten die Einsamkeit verbannen und das Alter(n) so gestalten, wie wir es selbst eines Tages erleben wollen. 
VISION UNTERSTÜTZEN
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