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"Mama, komm, wir singen ein Lied zusammen" - Teil 1 - Die musikalische Biografie


"Vor 12 Jahren wurde bei meiner Mama Demenz festgestellt und seitdem bin ich ihre Betreuerin und begleite sie. Sie lebt im Pflegeheim und die Demenz ist mittlerweile weit vorangeschritten. Sie erkennt mich nicht mehr, ihre schöne Singstimme ist verlorengegangen. Eine Unterhaltung ist nicht mehr möglich und bis auf manche Worte oder selten ein Satz ist sie verstummt."

Diese Sätze hat mir vor einiger Zeit Petra geschrieben. Petra ist eine sorgende Tochter, deren Mutter schon länger an Demenz erkrankt ist. Ihr Bericht und ihre Erfahrungen mit ihrer Mutter haben mich sehr berührt.

Petra schreibt weiter: Auch jetzt in diesem Stadium ist mir die Musik eine Hilfe.

Ja, Musik kann eine ganz wunderbare Hilfe und Begleitung sein für Menschen mit Demenz, das wissen viele. Ganz besonders kann Musik aber auch eine Verbindung und Brücke sein in der Familie, zwischen dem an Demenz erkrankten Elternteil und den Kindern.

„Familie ist, wo das Leben beginnt und die Liebe niemals endet.“ Und Musik kann dazu beitragen, dass der rote Faden der Liebe auch dann nicht endet, wenn ein Mensch in der Familie an Demenz erkrankt.

Wie genau kann das aussehen, welche Möglichkeiten gibt es dafür? Ich teile gerne einige Impulse für dich als sorgende*r Angehörige*r:

Die Musikalische Biografie

Jeder Mensch hat eine eigene, ganz persönliche „musikalische Biografie“. Dabei begleitet uns von Kindesbeinen an die Musik wie ein „roter Faden“. Bei dem einen ist der Faden dick (zum Beispiel, weil auch in der Familie Musik eine große Rolle spielt), beim anderen dünner.

"Wie gut, dass ich wusste, welche Lieder sie liebte. Schon als wir Kinder waren, sang sie viel mit uns, auch Kanons und zweistimmige Stücke. Sie war es, die uns unterstützte, ein Musikinstrument zu erlernen. So tat ich mir nicht schwer, auch im Alter das mit ihr zu teilen." (Petra, sorgende Angehörige einer Mutter mit Demenz)

Wir haben viele musikalische Einflüsse in unserem Leben und die Musik ist wiederum verknüpft mit wichtigen, oft emotionalen Erlebnissen wie z.B. aus der eigenen Kindheit (Mutter sang stets das eine Lied, das gemeinsame Singen an Weihnachten), die ersten Tanzstunden, die erste Liebe, die Hochzeit, das Singen mit den eigenen Kindern (Kinderlieder, Wiegenlieder) uvm. . Das alles gehört zu unserer „musikalischen Sozialisation“.

Musik ist wie ein wohliger, wärmender Mantel des Lebens

"Und wenn wir die Schlager der 40er Jahre sangen wie „Ein Freund, ein guter Freund“, tauchten die Erinnerungen an die Jugendjahre wieder auf und Freude kam auf. Auch die Kirchenlieder trösteten, denn sie ist ein gläubiger Mensch." (Petra, sorgende Angehörige einer Mutter mit Demenz)

Musik-Wissenschaftler und Musik-Mediziner haben festgestellt, dass vor allem auch die Musik der Kindheit und Jugendzeit im Langzeitgedächtnis abgespeichert ist. Und bei Menschen mit Demenz ist das Langzeitgedächtnis oft noch am längsten wieder abrufbar.

Wenn wir mit Musik aus unserer musikalischen Biografie in Berührung kommen, am besten wenn wir sie aktiv erleben können, dann weckt sie unsere Erinnerungen und die damit verbundenen Emotionen.

Bei Menschen mit Demenz stärkt sie die eigene Identität, die nach und nach mehr verloren geht, sie ermöglicht es die eigene Identität wieder zu erinnern, zu spüren, sich selbst zu spüren.

Man weiß dann wieder, wer man ist, was man erlebt hat und woher man kommt.  Und das möchte ich gerne vergleichen mit einem „musikalischen Mantel“:  er ist wohlig, er wärmt und schafft Vertrautheit.

„Palliativ“ heißt „mit einem Mantel bedecken “ – auch der Mantel der Musik wirkt übrigens palliativ am Ende des Lebens und kann die äußeren und inneren Schmerzen lindern.


Auf einen Blick: Musikalische Biografie:  

Impulse für dich als sorgende*r/pflegende*r Angehörige*r:

  1. Kenne die oder Teile der musikalischen Biografie deiner Mutter/ deines Vaters
  2. Finde sie (gemeinsam) heraus (in Gesprächen/ Recherche im CD-Regal usw.)
  3. Erstelle deiner Mutter oder deinem Vater eine „Playlist des Lebens“ mit den liebsten Liedern aus ihrem/seinem Leben (auf CD oder in einer Streaming-Playlist wie Spotify oder Apple oder nutze „Alexa“)
  4. Ermögliche ihr/ihm das Anhören, indem du technische Barrieren niedrig hältst (von meinen Kindern kenne ich z.B. den "Hörbert" – ein ganz einfach bedienbares Gerät, auf den man die Musik via Speicherkarte laden kann)
  5. Lieber keine Dauerberieselung im Hintergrund, sondern gemeinsame Hör-Zeiten und bewusste Hör-Zeiten anbieten
  6. Setze verschiedene, unterschiedliche musikalische Aktivitäten ein, natürlich je nach Interesse: singen, hören, bewegen, musizieren mit Instrumenten (eine Tischharfe beispielsweise)

Du möchtest noch mehr zum Thema lesen? Dann lies gerne hier Teil 2 des Beitrags.

Herzlichst,

deine Anette


PS: Bist auch du ein Kind alt gewordener Eltern? Wie gestaltet ihr das Miteinander? Wie geht es dir dabei?

Ich freue mich auch, wenn du mit mir dazu in den Austausch gehst. Schreibe mir dazu einfach eine Mail und folge mir gerne auch bei Facebook oder Instagram.

Du möchtest mehr darüber erfahren, wie du mit Musik Lebensfreude für Menschen im hohen Lebensalter (mit und ohne Demenz) erlebbar machen kannst? Hier kannst du mehr erfahren über das Programm Lebenslang Musik.

Deine Mutter oder dein Vater hat immr mehr Pflege- und/oder Betreuungsbedarf? Du wünscht dir eine individuelle Beratung? Nimm gerne Kontakt mit mir auf zu meinem Beratungsangebot.

Ich bin dir trotzdem nah…

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